top of page

Fallanalyse: Blockieren und Flucht unter Belastung

Beispiel aus der Praxis – systemische Einordnung eines komplexen Verhaltensmusters

​

Diese Analyse zeigt exemplarisch, wie Zusammenhänge im Pferd-Mensch-System eingeordnet und daraus konkrete Handlungsschritte abgeleitet werden.

​

Die Einschätzung basiert auf vorliegenden Informationen und stellt eine Arbeitshypothese dar.

​

Gerne kannst Du auch Dein eigenes Pferd einordnen lassen.

Analyse als PDF

​Fallanalyse: Blockieren und Flucht unter Belastung

Praxisbeispiel – systemische Einordnung eines komplexen Verhaltensmusters

​

Die Einschätzung basiert auf vorliegenden Informationen (Schilderungen, Bilder und Videoausschnitte) und stellt eine Arbeitshypothese dar.

​

Das gezeigte Verhalten lässt sich sehr wahrscheinlich auf ein Zusammenspiel folgender Faktoren zurückführen:

​

  • erhöhter Grundspannung

  • eingeschränkter Tragfähigkeit

  • inkonsistenter Einwirkung

  • ​

→ Das Pferd reagiert nicht widersetzlich, sondern funktional auf Überforderung.

V – Verstehen

Zusammenhänge erkennen

Ausgangslage

​

Unter Belastung zeigt das Pferd:

​

  • Blockieren (Stehenbleiben)

  • plötzliche Fluchtreaktionen

 

Weitere Hinweise:

​

  • hohe Reaktivität

  • mögliche negative Vorerfahrungen

  • Passgehen

  • veränderte Atmung

  • mehrere Bezugspersonen

  • unklare Rahmenbedingungen

 

Einordnung

 

Das Verhalten entsteht nicht isoliert, sondern aus einem instabilen Gesamtsystem:

​

  • erhöhte Grundspannung

  • eingeschränkte Regulationsfähigkeit

  • inkonsistente Einwirkung

 

→ Spannung steigt → keine Lösung möglich → Freeze oder Flight

 

In diesem Zustand ist Verhalten nicht willentlich steuerbar.


→ Lernen ist nur eingeschränkt möglich.

B - Beobachten

Zusammenhänge sichtbar machen

Verhalten und Ausdruck

​

  • anhaltende Grundspannung

  • fehlende stabile Orientierung

  • Bewegung wirkt gehalten

  • Entlastung wird nicht vollständig abgeschlossen

 

Frühe Warnzeichen:

​

  • Stocken

  • veränderte Atmung

  • Fixieren

  • sichtbare Spannung

 

→ ab diesem Punkt: vereinfachen, nicht steigern

 

Biomechanik

​

Im Stand

​

  • geringe Aktivität der Rumpfträger

  • Hinterhand stützend statt tragend

  • fehlende Verbindung durch den Körper

 

In Bewegung

​

  • Schub ohne Tragfähigkeit

  • fehlende Energieübertragung

  • kompensierende Vorderhand

 

→ weniger körperliche Kontrolle = weniger nervliche Regulation

​

Im Stand zeigt sich die zugrunde liegende Problematik:

 

Geringe Aktivität der Rumpfträger, fehlende Tragfähigkeit und erhöhte Grundspannung.

QH-WB-Mix im Stand

A - Anwenden

Handlung ableiten

Zentrale Einordnung

​

Das Pferd scheitert nicht an mangelnder Bereitschaft,
sondern an fehlender körperlicher und innerer Organisation.

​

Was vermieden werden sollte

​

  • Arbeiten unter steigender Spannung

  • Druck bei Unsicherheit

  • widersprüchliche Signale

  • viele wechselnde Personen

 

Handlungsebene

​

1. Reiten vorübergehend aussetzen


→ aktuelle Kombination aus Instabilität und Spannung

​

 

2. Körperliche Abklärung

​

  • Osteopathie / Physiotherapie

  • Sattelüberprüfung

 

3. Arbeit vom Boden

 

Ziel:

  • klare Struktur

  • lösbare Aufgaben

  • gleichmäßige Bewegung

 

Geeignet:

  • ruhiges Vorwärts

  • gerade Linien

  • Gelände

 

Nicht geeignet:

  • enge Wendungen

  • häufige Richtungswechsel

  • Longieren

 

Trainingsrahmen

  • kurze Einheiten (15–25 Minuten)

  • frühzeitig beenden

  • klare Abbruchkriterien

 

Fortschritt zeigt sich durch:

  • gleichmäßigen Rhythmus

  • ruhigere Atmung

  • stabilere Reaktionen

Einordnung

Das Verhalten ist funktional, nicht widersetzlich.

​

Ziel der Arbeit ist nicht schnelle Funktion, sondern:

​

  • Tragfähigkeit

  • Regulation

  • Orientierung

 

Grundlage ist immer die Organisation des Gesamtsystems.

bottom of page